Tag 2 sollte der Strecke oberhalb der Savinjabrücke in Ljubno gehören. Eine wunderbare Fischerei zum Teil in tiefen Schluchten sollte uns erwarten, und ließ die Vorfreude schon beim Frühstück steigen. Mich selbst zog es von unserem Parkplatz aus gesehen ca. einen Kilometer flussauf, um an einer wunderbaren Rieselstrecke, die ich noch von letztem Jahr in sehr positiver Erinnerung hatte mit der Trockenfliege mein Glück zu versuchen.
Ich genoss das wunderbare Gefühl der leichten Bewegungen mit der kleinen Trockenfliege und einige Forellen und Äschen mittlerer Größe konnte ich überlisten. Kurz vor Mittag entnahm ich dann einen Fisch, denn für den Mittagstisch war heute Forelle vom Grill vorgesehen. Wir bereiteten die Fische am Grillplatz unserer Pension, welcher direkt am Wasser gelegen war, und die Wirtin versorge uns mit Salaten, Kartoffeln und Getränken. Als Vorspeise gab’s Hirschsalami aus Kärnten…
Wir beschlossen anschließend eine kurze Rast auf unseren Zimmern einzulegen, um lieber in den fängigen Abendstunden bis zur Dämmerung fischen zu gehen.
Wieder am Wasser erwies sich die Fischerei als sehr zäh. Ich sah wie meine Kollegen irgendwann ohne Kontakt ihre Gumpen verließen um weiter stromauf ihr Glück zu versuchen. Probieren kannst es mal dachte ich mir, und begab mich zur ersten gerade verlassenen Stelle. Ein Nymphenwechsel später der ersehnte Kontakt! Und von da an ging’s Schlag auf Schlag. Ein Fisch nach dem anderen fiel auf die kleine schwarz-silberne spärlich gebundene Nymphe herein. Eine weitere Drift später. Kurzer Stopp am Vorfach. Anhieb. Hänger!? Von wegen. Langsam wanderte der Hänger an mir vorrüber und stellte sich in die Strömung. Sichtkontakt hatte ich bislang noch nicht, aber ich wusste, dass es sich um eine kapitale Forelle handeln musste. Ich veränderte den Zugwinkel um den Fisch zum Schwimmen zu bewegen, und dann sah ich sie zum ersten Mal. Ein karmasinroter Streifen über die ganze Länge des gewaltigen Fisches, torpedoförmig und voller Kraft. Eine gewaltige Regenbogenforelle hatte sich meine 16er Nymphe einverleibt. Mein gerade um die Kurve verschwundener Freund Hans eilte auf meine Rufe herbei, um das Schauspiel zu verfolgen und Fotos zu schießen. Immer mit größtmöglichen Druck führte ich die Forelle, oder besser gesagt, die Forelle mich am Wasser entlang. Wenige Minuten später entfuhr meinem Beobachter Hans ein Schrei! „Sch…..“ Wieso?? dachte ich Fisch hängt, alles klar?! – aber dann sah ich die sich anbahnende Katastrophe! – 3 Kanufahrer, die über die ganze Breite des Flusses verteilt stromab daher getrieben kamen. Schreie und Zurufe konnten nicht veranlassen, dass die 3 in der scharfen Strömung and das andere Ufer wechselten. Dem ersten gelang es an meiner sich mittig im Fluss befindenden Forelle vorbeizutreiben. Mit Nummer 2 hatte ich da weniger Glück. Ich hielt die Rute so hoch wie möglich, um ihm ein Unterqueren zu ermöglichen, da er relativ weit zu meinem Ufer angeschwommen kam. Unter Zuhilfenahme seiner Hand gelang es ihm, die Flugschnur samt Vorfach, an dessen unterem Ende immer noch meine kapitale Forelle hing um sein Kanu samt Paddel herumzuführen. Für den dritten Fahrer war diese Taktik in der Anwendung nicht möglich, da er sich in seiner Drift genau auf den Punkt zu bewegte, an dem mein Vorfach die Wasseroberfläche durchbrach. Letzter Ausweg, Rute samt Schnur unter Wasser tauchen, um ihn darüber hinweg fahren zu lassen.
Die ganze Aktion nutze der Fisch um sich in einer rasanten Fluch, ausgelöst durch den nachlassenden Widerstand, zum anderen Ufer zu retten. Wäre in dem Busch auf der anderen Seite jemand gestanden hätte er die sichtlich erschöpfte Forelle wahrscheinlich bereits mit der Hand landen können. Ein letztes Aufbäumen, bei dem sie in besagtem Busch mit dem Kopf hinter einen Stein bohrte, ließ mein Vorfach reißen und ebenso zeriss gleichfalls etwas in mir! Das wär der Fisch meines Lebens gewesen. Geschätzte 80 cm, gesprengtes Vorfach, Hass auf Kanufahrer und das Versprechen auf ein Wiedersehen blieben mit 2 in sich zusammengesunkenen Anglern am Ufer zurück
Aber solche Erlebnisse machen das Fischen genauso erlebenswert trotzdem sie nicht von Erfolg gekrönt sind. Und wir hatten ja noch einen Tag, der neue Chancen und neues Glück versprach.
Für den besagten 3. Tag nahmen wir uns vor einen schon länger gehegten Plan in die Tat umzusetzen. Manche mögen behaupten es wäre gemein, oder niederträchtig. Wir, die uns alle schon lange kennen konnten im Nachhinein dennoch alle darüber lachen. Ziel war es unseren Freund Walter, der gerne immer auf unseren Fundus fängiger Fliegen zurückgreift, und zudem noch ein ausgesprochener Fan von Parachutfliegen ist eine kleine Lektion zu erteilen.
So kam es, dass am Morgen beim Umkleiden und Besprechen, was denn so gehen könnte ich Walter gegenüber trat und ihm von einer Fliege erzählte, die gestern sehr gut gegangen ist.
Wie üblich gab ich ihm natürlich auch ein Exemplar des extra für ihn produzierten Musters.
Es handelte sich um eine schwarze Parachutfliege. Diese hatte ich bereits im Vorfeld unserer Reise beim Bindeabend mit Hans entwickelt. Ja, man kann sagen entwickelt, weil so etwas hat es bestimmt noch nicht gegeben. Eine Trockenfliege, die exakt mit soviel Bleidraht unterfüttert war, dass diese genau 2-3 Sekunden schwamm, und dann unterging! Wir ließen Walter den gesamten Vormittag damit fischen um uns dann am Mittag Feedback von ihm einzuholen. Wir selbst hatten alle durch die Bank gut gefangen, und Hans und ich hatten beide insgeheim die Befürchtung – ach was – eher Angst, der Walter könnte mit der Spezial-Fliege sogar eine Kapitale überlisten.
Dem war nicht so. Seinen Ausführungen zufolge hat er den halben Vormittag damit zugebracht in unzähligen Leerwürfen und Fettversuchen mit allen möglichen Schwimmhilfen seine ihm als sooooo fängig angepriesene Fliege dazu zu bringen, über Wasser zu bleiben! Vergeblich. Als wir die Geschichte endlich auflösten war er zuerst ziemlich erleichtert, da er wohl schon an seinen fischereilichen Qualitäten gezweifelt hatte. Gleichzeitig als im bewusst wurde, wer ihn da verarscht hatte, durften wir uns eine kurze Kapriole über: „wer solche Freunde hat…“ anhören, aber als dann das ganze im allgemeinen Gelächter unterging, und wir uns auf den Weg zum Mittagessen machten, war das ganze als eine witzige Storry abgetan, über die alle Beteiligten lachen können.
Über Mittag fing es an zu regnen, was uns dazu bewegte den Aufenthalt im Restaurant noch etwas zu verlängern. Gegen Nachmittag aber entschieden wir uns trotz schlechtem Wetter doch in die Wat- und Regenklamotten zu schlüpfen. Und es hat sich gelohnt. Atemberaubende Nebelschwaden und eine hervorragende Fischerei, als sich der Regen legte, sorgen für allseits zufriedene Mienen.
Noch mal zurück zum Vormittag des dritten Tages. Chronologisch hätte ich zwar schon früher erwähnen müssen, aber dieses Schmankerl wollte ich mir bis zum Schluss aufheben.
Den größten Fisch der Tage fing, wie könnt es anders sein, unser Neuling, der Weber Max.
An dieser Stelle möchte ich ihm noch einmal herzlich zu diesem Fisch gratulieren, den ich ihm von Herzen gönne. Zumal dies keinesfalls ein Zufallsfang war, sondern vom Sichten, Standplatzwahl, Fliege, Anwerfen, Anhieb und Drill bis zur Landung alles perfekt gemeistert wurde. Hut ab!
Aber nun lass ich einfach Bilder sprechen
Alles in allem waren es schöne gelungene Tage, die ich auch in Zukunft mit meinen Freunden nicht missen möchte.
Ein Bericht von Thomas Brunner.
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